Von Kleinigkeiten und ein bisschen mehr als Kleinigkeiten

Am Freitagmorgen fand also diese kleine OP in der Schulthess Klinik statt. Die im Beitragsbild gezeigte Schraube wurde mir aus dem rechten Fuss entfernt, weil sie störte, sprich deutlich zu sehen und zu spüren war und weh tat. Die anderen beiden Schrauben, die ebenfalls im rechten Fuss sind, bleiben drin, sofern sie nicht auch anfangen wehzutun. Da sie sich an einem weniger heiklen Ort befinden, besteht durchaus die Chance, dass sie drin bleiben können.

Eigentlich war das ja auch so vorgesehen gewesen – für alle drei. Aber da die oben abgebildete schon im Sommer 2019, auf der griechischen Halbinsel Kassandra am Strand und im Meer, anfing zu schmerzen, und diesen Sommer auf der griechischen Insel Kos, wiederum am Strand und im Meer, wo es halt oft uneben und steinig ist, noch mehr schmerzte, blieb mir nichts anderes mehr übrig, als dies meiner Ärztin zu sagen. Diese meldete mich für den schnellstmöglichen Termin in der Schulthess Klinik an, und jetzt bin ich erleichtert, dass das Teil draussen ist.

Der Chirurg war der gleiche, der mich Mitte Februar 2018 beim eigentlichen und nicht ganz unkomplizierten Eingriff operiert hatte. In ihn habe ich Vertrauen und erinnere mich gerne an unser Gespräch über Propofol (😄). Und er erinnerte sich an mich als eine „toughe“ Patientin, was mir irgendwie guttat. Es ist für mich zwar selbstverständlich, mir möglichst wenig von „meiner“ Autoimmunerkrankung, die zu den systemischen gehört, also das ganze System betreffen kann, anmerken zu lassen: Erstens bin ich – zum Glück (!!!) – nicht zu einer wehleidigen „ich-mach-aus-jedem-bisschen-ein-Drama-und-geniess-die-Aufmerksamkeit-und-sonstige-Vorteile“-Person erzogen worden, zweitens ist mir so gut wie immer bewusst, dass es so, so, so viele Menschen gibt, die mit schlimmeren Krankheiten zurechtkommen müssen.

Und ja, ich mache ganz bewusst Unterscheidungen und Wertungen – alles andere wäre unehrlich, vermessen und dumm. Beispielsweise ist „meine“ Erkrankung zwar nicht heilbar, aber immerhin behandelbar. Die Behandlungen können zwar happig sein – davon kann ich mehr als ein Lied singen – aber eine Diagnose einer unheilbaren Krankheit zu bekommen, ist trotzdem viel schlimmer. In jungen und jüngeren Lebensjahren ganz besonders. Meine ganze Achtung denjenigen, die damit konfrontiert sind oder jemanden, der/die damit konfrontiert war/ist, begleite(te)n.

Da der Chirurg mich also als „toughe“ Patientin in Erinnerung hat(te), entschieden wir, dass ich nach dem Eingriff keine Schmerzmittel nehmen würde. (Hab ich auch tatsächlich nicht. Und hat, bis auf die erste Nacht, ganz gut geklappt.) Das mach ich nicht, um mir oder sonst jemandem etwas zu beweisen; das mach ich, weil ich ja schon ziemlich viele und vor allem ziemlich starke Medikamente nehmen musste und muss, sodass jedes Weglassen von Medikamenten ein Gewinn ist. Es geht ja immer um den ganzen Körper, es geht um den Magen, es geht um die Leber. Wenn ich sie nicht noch zusätzlich belasten muss, bin ich bereit, Schmerzen in Kauf zu nehmen.

Im Wissen darum, dass andere sehr schnell und sehr unbedarft zu Schmerzmitteln greifen und sich dies offenbar leisten können. Sogar wegen Kleinigkeiten. (Ist relativ, hör ich grad schreien… Ja, ja, ist relativ. Nur muss mir das niemand erklären. Ich habe zwei Kinder spontan und vaginal, ohne jegliche Schmerzmittel, zur Welt gebracht. Und ich habe punkto Schmerzen schon so einiges erlebt. Darum lass ich mir zwar gerne Dinge erklären, in denen ich mich nicht so auskenne. Aber was Schmerzen anbelangt, kenne ich ein sehr, sehr weites Spektrum. Ausserdem hat Wehleidigkeit nichts mit unterschiedlichen Empfindungen zu tun, sondern ist meistens anerzogen und antrainiert.)

Wie auch immer: Ich gehöre zu denjenigen, die es sich eben nicht leisten können, wegen Kleinigkeiten Schmerzmittel zu nehmen. Ich nehme sie nicht einmal bei mehr als Kleinigkeiten, denn der Eingriff war schon ein bisschen mehr als eine Kleinigkeit. (Nein, nicht relativ, sondern ganz objektiv.) Aber wie erwähnt, ging das ganz gut ohne Schmerzmittel und bin ich jetzt, fünf Tage danach, froh, dass ich das so hingekriegt habe. Es macht mich jedes Mal auch ein Stückchen stärker.

Am Freitagabend war ich schon wieder unterwegs; ich ging mit Karina im „Riverside“ in Glattfelden essen – thailändisch. Das war sehr schön. – Klar, die 4 3/4 Stunden sitzen waren nicht so gut bzw. spürte ich die Wunde. Aber der schöne Abend war es hundertfach wert. Und ich freue mich schon auf das nächste Treffen mit Karina – dann in Winterthur, wie wir bereits abgemacht haben.

Am Samstagabend waren P. und ich mit einem befreundeten Paar in Zürich, im Restaurant Nooba – wiederum asiatisch. Mir tat zwar die Wunde ziemlich weh, weil der Schuh draufdrückte. Aber für nichts in der Welt würde ich den Abend mit C. und M. hergeben wollen, für nichts in der Welt würde ich ein solches Treffen verschieben oder gar absagen – wegen einer so kleinen OP, meine ich.

Und wer sich jetzt wundert, warum ich trotzdem erst heute wieder arbeiten konnte: Weil ich beim Unterrichten sehr, sehr viel mehr herumgehen muss, als wenn ich zwei oder drei ganz, ganz kurze Strecken zu Fuss gehe – wie das an beiden erwähnten Abenden der Fall war. (Nur so. Für diejenigen, die nach dem Simpel-Schema „Wer A kann, kann auch B“ funktionieren.)

Ansonsten waren wir am Wochenende zu Hause und haben unseren ersten Versuch mit Green Screen gemacht. Wir haben wieder dazugelernt und bereits zwei, drei Dinge entdeckt, die wir nächstes Mal anders bzw. besser machen wollen. So oder so hat die gemeinsame Kreativität Freude gemacht:

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