Dauererkältet

Eigentlich bin ich grad‘ voll im Flow, da der erste Tag an meiner neuen Stelle gut gelaufen ist, ich schon ein paar gute oder „einfach“ lustige Begegnungen mit meinen neuen Arbeitskollegen und -kolleginnen hatte, mich darüber freue, dass der Spirit wieder ein anderer ist und mir entspricht, und mich darauf freue, meine Stärken einsetzen zu können. Eine davon, Flexibilität, Spontanität und Unkompliziertheit, konnte ich schon am ersten Arbeitstag um sieben Uhr morgens völlig unerwartet unter Beweis stellen, was ich gerne machte.

Alles in allem ist die Sache immer noch irgendwie surreal für mich – aus mehreren Gründen. Diese Stellen sind rar und begehrt – das ist einer der Gründe, aber nicht der einzige. Vielleicht kann ich irgendwann besser in Worte fassen, was es für mich bedeutet und was ich dabei so denke und fühle… – vielleicht. Vielleicht auch nicht, dann bleibt es halt bei mir – wie anderes aus meinem Leben, ebenfalls Positives, aber Unausdrückbares (weil zu schön). Das wäre ja auch nicht schlimm.

Gestern war ich wieder einmal bei meiner Ärztin in Bülach – das war überfällig. Immerhin ist es ja ein Medikament, das auch in Chemotherapien sowie bei Transplantationen angewendet wird, das ich von Januar 2017 bis Januar 2018 einnahm und seit Januar 2020 erneut einnehme – diesmal jedoch für drei bis vier Jahre. Dass der Unterbruch nur zwei Jahre anhielt und dass zudem drei Monate zuvor bereits Kortison, das ich überhaupt nicht vertrage, eingesetzt werden musste, hat damit zu tun, dass im Sommer/Herbst 2019 erneut ein Krankheitsschub ausbrach – zurückzuführen auf verschiedene Faktoren. Also multifaktoriell bedingt. Ich liebe das Wort; es erinnert mich an Herrn Kurmann. (Siehe (unter anderen!) dazu mein Beitrag „Sehr geehrter Herr K.“, den ich bald in „Sehr geehrter Herr Kurmann“ umbenennen werde – mit dem Alter wird man immer furchtloser…)

Anyway, im Fall meines letzten Krankheitsschubs stimmt es auf jeden Fall: Jeder einzelne Faktor trug dazu bei; wäre es einer weniger gewesen, wäre wahrscheinlich nix passiert. Aber das lässt sich im Nachhinein nicht (mehr) ändern; darum jetzt halt die mehrjährige Therapie mit einem Immunsuppressivum/Zytostatikum. Darum die regelmässigen Blutkontrollen. Darum der gestrige (überfällige) Besuch bei meiner Ärztin: Es geht dabei (nebst einem Gespräch/einer Bestandsaufnahme) jeweils um Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte sowie um Werte gewisser Nährstoffe.

Auch die Vorstufe von Leukämie, die bei mir ja mal diagnostiziert wurde (siehe frühere Beiträge), die aber gemäss Dr. H., Hämatologe und Onkologe in Bülach, den ich in bester Erinnerung habe, auf meine Grunderkrankung zurückzuführen ist und darum höchstwahrscheinlich so bleiben wird, wie sie ist, muss ab und zu im Auge behalten werden. Auch das natürlich über Blutentnahmen und -kontrollen.

Ausserdem muss ich (dringend) wieder einmal die meisten inneren Organe untersuchen lassen. Diese Untersuchungen werden etwa einen halben Tag beanspruchen und in Zürich stattfinden. Auch das ist überfällig; ich hätte es schon vorletztes oder spätestens letztes Jahr machen lassen sollen. Aber es war „einfach“ sonst (viel) zu viel los in meinem Leben. Auch wenn ich das meiste sehr cool nehme und sehr cool damit umgehe – manchmal wohl zu cool – sind solch‘ umfassende Untersuchungen jeweils mit einer gewissen Anspannung verbunden:

Was, wenn etwas nicht in Ordnung wäre? So viele andere Therapiemöglichkeiten hab‘ ich ja nicht mehr. D. h. es gibt schon noch „höhere Stufen“, aber ich möchte sie nicht erreichen, damit immer noch eine Pufferzone bleibt. Immerhin werden Autoimmunerkrankungen mit dem Alter oft (eher) besser; das stimmt mich optimistisch. 😉

Was diesen Winter mühsam, lästig und anstrengend ist: Ich bin schon zum dritten Mal erkältet. Und eine Erkältung ist bei mir nicht nach drei bis vier Tagen vorbei oder zumindest besser, sondern zieht sich drei Wochen hin – mit allem, was dazugehört, und einigem mehr (siehe unten). Das behindert schon im Alltag. Und beim Singen. Wobei ich, da ich eben besser geworden bin, sogar mit Erkältungen noch (einigermassen) gut singen kann, was ich früher nicht konnte. Für die Dauererkältungen sieht meine Ärztin drei mögliche Gründe:

1. (viel) höhere Anfälligkeit wegen oben genanntem Medikament, das mein Immunsystem unterdrückt, damit es nicht (mehr) gegen körpereigenes Gewebe kämpft, was dazu führt, dass es halt auch gegen Krankheitserreger auf Sparflamme läuft

2. die Autoimmunerkrankung an sich, die zu Entzündungen der Schleimhäute im Körper (und anderem) führt und diese auch (viel) anfälliger für Krankheitserreger macht

3. die Gesichtsmasken, die ich zwar (viel) weniger als andere Menschen trage, wofür ich eine ärztliche Bescheinigung eines Hals-Nasen-Ohrenspezialisten (also eines Oto-Rhino-Laryngologen (noch ein Lieblingswort von mir!)) habe, und deren Tragen die Schleimhäute austrocknet. Da sie bei mir ja eben durch die Autoimmunerkrankung sowieso ständig unter Beschuss stehen und gereizt sind, verträgt es einfach nichts mehr bzw. führt jeder (auch kleine) zusätzliche Reiz zu (grösseren) Problemen. Dadurch werden die Schleimhäute noch (viel) anfälliger für Krankheitserreger.

Am wahrscheinlichsten ist Grund Nr. 3, da ich in den beiden anderen Wintern, in denen ich das gleiche Medikament nehmen musste (und logischerweise die gleiche Grunderkrankung hatte), bei weitem nicht so oft, so lange und so stark erkältet war, wie es diesen Winter der Fall ist. Und was halt auch immer dazukommt, weil dann die ganzen Autoimmunreaktionen getriggert werden, sind Gelenkschmerzen in allen grossen Gelenken. Das heisst betroffen sind die Fuss-, die Knie-, die Hüft-, die Hand- und die Ellbogengelenke. Einzig in den Schultern merk‘ ich nichts, aber zehn betroffene Gelenke sind eh mehr als genug.

So, irgendwie hab‘ ich das jetzt wieder mal gebraucht, ein (kleines) bisschen (!) was über das Leben mit einer (schweren) chronischen Erkrankung zu schreiben. Wenn es so tönt, als ob es mir nicht gut ginge: Das stimmt nicht. Mir geht es gut. Ich bin aktiv, engagiert, motiviert, intensiv, leidenschaftlich und noch vieles mehr. Bisweilen werde ich aber mit Verhaltensweisen konfrontiert, die mir nicht guttun, die mich stressen und die – ganz allgemein – sehr ungesund oder sehr unfair sind. Dann komm‘ ich mir jeweils ziemlich „dumm“ vor. Und dann erinnere ich mich daran, dass ich ja einst meinen Blog eröffnete, um ein Gefäss zu haben für das, was mich beschäftigt; für das, was organische Erkrankungen so alles auf den Kopf stellen (können); für das, was an menschlichem Verhalten einem so begegnet.

Abgesehen davon geniesse ich den unterrichtsfreien Tag, spiele nachher noch Klavier, mach‘ noch eine halbe Stunde auf dem Hometrainer und kümmere mich um Teddy, unseren süssen Hamster, für den wir im Wohnzimmer ein kleines Zweit-Revier gebaut haben. Übrigens ist er auch musikalisch. 😍

 

 

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