Der eine, maximale Feind

Seit +/- zehn Jahren habe (bzw. hatte) ich den Wunsch, drei Tattoos machen zu lassen. Aus gesundheitlichen Gründen war es jedoch nicht möglich gewesen; jeder zusätzliche (auch kleine) Reiz hätte einen Krankheitsschub auslösen können.
Die Bedeutung, die der Song „Lonely Sky“ für mich hat, kann ich zwar weder jemandem abschliessend erzählen noch aufschreiben, aber ich kann sie für mich und auf mir verewigen. Das tat ich am letzten Tag des Monat März dieses Jahrs. Das Beitragsbild zeigt das Resultat auf meinem linken Unterarm, über das ich glücklich bin.

20 Tage später folgte mein zweites Tattoo: ein Schmetterling mit drei Violett-Tönen auf dem rechten Unterarm als Symbol für die Autoimmunerkrankung, an die ich immer wieder erinnert werde, die mich zehn Jahre manchmal bis an meine äussersten Grenzen (heraus)forderte, die mich aber auch vieles gelehrt hat und die mit dem Alter ja besser werden, das heisst „nur“ noch in abgeschwächter Form auftreten sollte. (Wobei das immer noch (viel) mehr ist als jedwelche harmlose und vorübergehende Krankheit.)

Im nächsten Beitrag werde ich ein Foto des Schmetterling-Tattoos als Beitragsbild verwenden. Ich fand das auch vom künstlerischen Aspekt her eine schöne, kreative und bereichernde Sache. Mit dem dritten warte ich aber bis im kommenden Herbst.

Schreiben ist zur Zeit nicht einfach, denn welche Worte gibt es für das, was in dieser Gesellschaft und in anderen Gesellschaften so alles abgeht?!
Für die angstgetriebenen Panikmachenden, für die Hysterischen, für die selbsternannten „Guten“ und – vor allem – Pseudo-Solidarischen, die sich vor dem „Corona“-Hype kein kleinstes bisschen für chronisch erkrankte Menschen interessiert, geschweige denn eingesetzt haben, denen es einzig und allein’ um sich selbst und ihre Familie geht, denen die unermesslichen Kollateralschäden der völlig unverhältnismässigen Massnahmen am Arsch vorbeigehen und die in ihrer Heuchelei so furchtbar und so hässlich sind, dass es dafür eben keine Worte gibt?!

Für die selbsternannten Polizisten und Polizistinnen in der Gesellschaft, deren ängstliche, das Leben fürchtende und alles und alle kontrollierende Augen über den Rand der unnützen, vielleicht sogar schädlichen Gesichtsmaske hinausblicken und verraten, dass der Mensch, dem sie gehören, die Essenz des Lebens nicht verstanden hat: Ja, wir sind sterblich – nicht erst seit „Corona“. Und nein, wir können nicht fast das ganze Leben abtöten, um den Tod zu verhindern.

Für die Denunzianten und Denunziantinnen, die nie merken, wie kleinlich und peinlich ihr Verhalten ist und wie sehr es an die Zeit der Nationalsozialisten erinnert?!

Und da ich eben dafür keine Worte finde, lass‘ ich jetzt mal dem Regisseur und Mitinitiator zu #allesdichtmachen Dietrich Brüggemann zu Wort kommen:

„Es hat eingeschlagen. An alle, die jetzt von ‚Verhöhnung‘ schwurbeln: Ich schwurble jetzt auch mal. Ihr verhöhnt die Opfer. Ihr trampelt auf denen herum, die jetzt selbstmordgefährdet sind. Ihr spuckt auf all die, die ihre Existenz verloren haben. Ihr macht euch lustig über das Leid derer, die in ärmeren Schichten und ärmeren Ländern über die Klinge springen, die ihr ihnen hinhaltet. Ihr seid zynisch und menschenverachtend. Es macht Spaß, so herumzupöbeln, stimmts?

Wollen wir trotzdem mal damit aufhören? Ja? – Gut. – Oder nein, wir können auch noch ein bisschen weitermachen. Euch ist ja immer ‚übel’ und ihr ‚kotzt’ auch gern. Wisst ihr was? Mir ist auch übel. Und zwar wegen euch. Ihr seid ein Teil des Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht hat: Ihr seid ein Lynchmob. Ganz einfach. So, genug gepöbelt. Ich könnte jetzt die üblichen Distanzierungsfloskeln von mir geben, aber vorher schlafe ich vor Langeweile ein. Nazis sind Nazis und Selbstverständlichkeiten sind selbstverständlich. Und was auch selbstverständlich sein sollte: Wenn Kritik an Corona-Politik ‚rechts’ ist, dann ist meine linke Hand auch rechts.

Ja, klar habe ich Respekt vor allen Ärzten, Ärztinnen und Pflegenden.
Und ich habe auch Respekt vor all’ denen im Lande, deren Existenz im Eimer ist und die nicht mehr weiterwissen. Und jetzt möge mir mal einer erklären, warum das eine zwingend das andere erfordert. Und warum unsere ganze Gesellschaft in einer Art Kriegszustand sein muss, in der die gesamte Zivilgesellschaft strammzustehen hat und nichts anderes mehr wichtig ist als der Kampf gegen den einen, maximalen Feind. Und wer fragt, ob dieser Feind wirklich so maximal ist und ob man den vielleicht auch mit anderen, zivilen Mitteln bekämpfen könnte, der ist ein Leugner und Volksfeind und muss an die Laterne gehängt werden.

Ihr merkt gar nicht, was für Reflexen ihr hier nachgebt, aber das ist Teil des Problems. An einer Medienelite, die den immer härteren Lockdown fordert und jeden Kritiker mit Verweis auf volle Intensivstationen zum Abschuss freigibt, gibt es jede Menge zu kritisieren. Und dieser Shitstorm kommentiert sich ohnehin selbst. Hat euch Tod und Sterben jemals interessiert? War es euch bisher egal, dass um euch herum jeden Tag Menschen aus vermeidbaren Gründen gestorben sind? Aber auf einmal gibt es für euch nur noch dieses Thema?

Keins von diesen Videos handelt von der Pandemie. Aber sie ziehen das hohle Pathos durch den Kakao, mit dem wir uns seit einem Jahr konfrontiert sehen. Sie kritisieren die Gnadenlosigkeit, mit der alles, was jetzt den Bach hinuntergeht, als zweitrangig abgetan wird. Sie hinterfragen die Geschichten, die eine Gesellschaft sich selbst erzählt. Und wenn diese Gesellschaft (oder die 1%, die auf Twitter sind) dann derart überschäumend reagiert, dann war das Ganze offenbar notwendig. Ende.“

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Und dieser Kriegszustand spaltet die Gesellschaften, was gefährlich ist. Es gibt ja sogar Leute, die Beziehungen oder Freundschaften abbrechen wegen dieses einen, maximalen Feinds. Mit anderen Worten: wegen eines Virus, das für 99,97% der Menschen harmlos ist.

Dafür haben wir so viel kaputt gemacht und machen immer noch mehr kaputt.

Und den oben Gemeinten geht das, wie gesagt, am Arsch vorbei, oder sie kapieren es nicht einmal.

Ab solch’ grenzenloser Dummheit und solch’ grenzenlosem Egoismus könnte man verzweifeln.

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