Propofol – und kein Traum

Ich bin grad fertig mit umfassenden Untersuchungen meiner inneren Organe. Und ich bin erleichtert: Hiess es vor fünf Jahren noch, die Entzündungen seien schwer und ausgeprägt, so sind sie jetzt „nur“ noch leicht. „Nur“ schreibe ich bewusst in Anführungs- und Schlusszeichen, denn chronische Entzündungen sind, auch wenn sie leicht sind, nicht harmlos.

Die regelmässigen Untersuchungen sollte ich, wie der Ausdruck besagt, eigentlich regelmässig durchführen lassen. Was „regelmässig“ bedeutet, kommt natürlich auf den Krankheitsverlauf und die An- oder Abwesenheit von Krankheitsschüben an. Aber fünfeinhalb Jahre verstreichen zu lassen, war so oder so zu lange. Das Hinausschieben hatte auch dazu geführt, dass ich durchaus eine gewisse Angst vor dem heutigen Tag gehabt habe. Darum bin ich jetzt wohl auch doppelt erleichtert.

Die Untersuchungen beinhalten jeweils Spiegelungen der Organe mit Hohlräumen, da deren Schleimhäute besonders gefährdet sind, sowie Ultraschalle der Organe ohne Hohlräume. Sie müssen durchgeführt werden, erstens um den Krankheitsverlauf zu beobachten und gegebenenfalls reagieren, das heisst die Langzeittherapie anpassen zu können – und zweitens zur Krebsvorsorge. Denn: Chronische Entzündungen erhöhen das Krebsrisiko. Auch deswegen bin ich froh, dass die Entzündungen eben nicht mehr schwer und ausgeprägt sind wie im Mai 2016. Nach – notabene – drei bis vier Monaten Behandlung mit Kortison!

Und – nochmals notabene – als ich verdächtigt wurde, bezahlten Urlaub zu machen.

Tatsache war: Sogar der erfahrene Facharzt war erschrocken über das Ausmass der Entzündungen, insbesondere nach drei bis vier Monaten Behandlung mit Kortison. Das war eigentlich kaum zu glauben – aber es war so. Die Bilder auf dem Monitor zeigten es unmissverständlich.

Natürlich hab‘ ich mich heute wieder daran erinnert. Und an alles, was es für mich damals bedeutete. Auch daran, wie überfordert die einen damit waren und wie unsäglich sie reagierten oder wie wunderbar andere zu mir waren. ❣️

Ebenfalls erinnert hab‘ ich mich an den schönen Traum von damals, nachdem ich Propofol bekommen hatte.
Heute hab‘ ich wieder Propofol bekommen, aber leider hatte ich keinen schönen Traum, sondern hörte die ganze Zeit die Stimmen im Raum. Das war zwar nicht schlimm, aber auch nicht so schön wie der Traum im Mai 2016: von einer Insel im Mittelmeer. 🌊
(siehe gleichnamiger Blogbeitrag)
Das hat, wie mir die Angestellte erklärte, wahrscheinlich damit zu tun, dass ich nicht (so) entspannt war.
Das mag zutreffen – es gibt schon Gründe dafür.

Doch letztlich bleiben mir von heute die erfreulichen Resultate, die kleine Stärkung zwischendurch (siehe Beitragsbild) und die Begegnung mit dem Facharzt, den ich schon immer sehr mochte. Er half mir damals durch schwierige Zeiten; er sieht in mir nicht die Patientin, sondern die Frau.
Die aktive, kreative, intelligente, humorvolle und starke Frau, die so viel unter einen Hut bekommt, was für gesunde Menschen schon sehr viel wäre.
(nicht meine Rede…)

Er war es auch, dem im Februar 2014 meine Gelassenheit auffiel, als er mir die Diagnose mitteilte.
Er lachte mit mir, als ich nach echt viel Kortison immer noch schlank bei ihm in der Praxis auftauchte.
Er hat mir heute auch die Angst vor den Langzeitfolgen der Therapie mit „Imurek“ genommen, insbesondere vor dem höheren Risiko einer Tumorbildung.

Wir sind dann, einmal mehr, lachend auseinandergegangen, und es tut mir fast leid, ihn nicht öfter zu sehen. Hier einfach wieder einmal ein Dank, ihm ganz persönlich gewidmet. 🙏

Ach ja, und auf eine Insel im Mittelmeer fliegen wir am nächsten Sonntag. ☀️

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