Back to the roots of the blog (2)

Zuerst bedanke ich mich (auch noch so) bei den vier Lesenden, die mir nach dem letzten Beitrag persönliche Nachrichten schrieben. Zwei davon kenne ich persönlich. In der Zwischenzeit habe ich allen geantwortet.
Am meisten bedanke ich mich bei Caroline, die mich ermuntert hat, diesen Weg weiterzugehen, insbesondere mit den Kindern darüber zu reden und ihnen zu erzählen, wie die vergangenen bald 13 Jahre für mich auch gewesen sind. Und ja, ich sehe es je länger je klarer wie sie: Diese Erkrankung sollte ganz selbstverständlich im Familienalltag ihren Platz haben (können). Es ist höchste Zeit dafür.

Bis jetzt hat sie fast keinen Platz gehabt. Dafür bin ich selbst verantwortlich: Teilweise wollte ich es so; teilweise konnte ich nicht anders. Wie im letzten Beitrag schon geschrieben, bin ich einerseits unendlich dankbar für diese Stärke und diese Ressourcen, andererseits auch ein bisschen stolz darauf. Denn – und ich wiederhole mich bewusst noch einmal – es ist zwar längst nicht nur, aber auch mein Verdienst.

Ich war meinen Kindern mit diesen Ressourcen und in dieser Stärke ein Vorbild, ich hab‘ ihnen damit das gegeben, gezeigt und vorgelebt, was für Kinder so, so, so wichtig ist.
Insbesondere Töchter brauchen in der Mutter ein Vorbild für eine kraftvolle, lebensbejahende Weiblichkeit. Dies hat meine Tochter in mir gehabt. Und sie wird sie weiterhin haben. Es gehört zum Wichtigsten, was Töchter von Müttern brauchen. Wohin es führen kann, wenn es fehlt, schreib‘ ich vielleicht ein anderes Mal. Hier erlaube ich mir, jetzt endlich einmal zu sagen bzw. zu schreiben: Es ist eine grosse Leistung von mir, dass meine Tochter dieses Vorbild gehabt hat – und hat.

Ich habe das geschafft – trotz einer schweren organischen Erkrankung.
Es geht für mich nicht, dass eine Krankheit als Ausrede für unterlassene Vorbildfunktion, unterlassene Vermittlung von Werten und Haltungen, unterlassene Beziehung, Erziehung und tägliche, intensive Aus-ein-ander-setz-ung sowie unterlassenen Widerstand hinhalten soll. Das ist viel zu einfach, viel zu billig – ein Davonlaufen von allem, mit dem man sich selbst und das Umfeld konfrontieren sollte. Nie würde ich es mir verzeihen, wenn ich das getan hätte.

Ich finde es auch wirklich unverzeihlich. Es sei denn, es handle sich um eine Krankheit wie Krebs im fortgeschrittenen oder gar Endstadium, um Amorphe Lateralsklerose, Muskelatrophien oder andere, nicht (erfolgreich) behandelbare Krankheiten. Dann bin ich die erste, die jedes Verständnis dafür hat. Und dieses Verständnis kommt aus tiefstem Herzen. Aber in Fällen, wo es nicht um Leben und Tod geht, hab‘ ich es nur bedingt oder gar nicht.
Und bei psychischen Krankheiten, wo es oft auch darum ginge, sich selbst zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln, an sich selbst zu arbeiten und sich zu überlegen, wie gewisses eigenes Verhalten bei anderen ankommt und was es auslösen kann, hab‘ ich es ebenfalls nicht. (Ausser jemand hat so schreckliche Erfahrungen wie Krieg oder Tod der eigenen Kinder machen müssen.)

Anstatt immer wieder etwas aus der Kindheit vorzuschieben, muss man mit der Pubertät beginnen, sich davon zu lösen, auch wenn es schwierig ist. Man kann nicht als junge(r) Erwachsene(r), geschweige denn als „richtige(r)“ Erwachsene(r) immer am gleichen Punkt stehen bleiben, keine Schritte nach vorne machen, sich darin „gefallen“ und die Kindheit vorschieben.
Auch wenn diese negativ prägend und einschneidend gewesen sein mag: Man muss Verantwortung für sein eigenes Leben und Handeln übernehmen – und zwar sollte das mit der Pubertät einsetzen und sich dann stetig weiterentwickeln. Es sind nicht andere, die schuld sind; es ist nichts anderes, was schuld ist; man ist selbst verantwortlich für das, was man tut oder unterlässt.

Ich finde es gar nicht in Ordnung, wenn ein Mensch sich mit seinem eigenen Verhalten nicht auseinandersetzt, nicht einsieht, geschweige denn zugibt, dass vieles nicht stimmt, nichts unternimmt, um daran etwas zu ändern, und gleichzeitig erwartet, dass andere dafür – immer und immer wieder – Verständnis aufbringen sollen.
Warum verlangt ihr Verständnis, wenn ihr selbst kein bisschen Rücksicht nehmt?
Zum Beispiel: auf eine Person, die eine organische Erkrankung hat? Die alles daran setzt, dass man davon kaum was merkt? Warum hat euer (leider beschädigtes) Ego (sogar dann noch) Vorrang? Warum könnt ihr euer Verhalten nicht anpassen, wenn ihr wisst, dass euer Gegenüber das Gegenteil von dem, was ihr tut, getan hat?
(Und sogar wenn ihr es nicht wisst: Denkt doch mal für einen kurzen Moment daran, dass nicht nur ihr eure Geschichte habt, sondern euer Gegenüber ebenfalls seine.)
Sprich zum Beispiel: mit einer echten und schweren Erkrankung so gelebt hat, dass so gut wie niemand etwas davon mitbekommen hat. Warum geht es um euch und eure Befindlichkeiten und warum, wenn es mal nicht um euch und eure Befindlichkeiten ginge, projiziert ihr euren Egoismus und eure Blase (eure Welt, die sich um euch und eure Befindlichkeiten dreht) auf das Gegenüber, anstatt bei euch hinzuschauen?

Ich würde euch manchmal am liebsten ins Gesicht sagen, was euer Verhalten über euch offenbart und wie das zum Beispiel für mich ist. So quasi stellvertretend für alle, die eine organische Erkrankung haben und 13 (oder 20 oder 30 oder „X“) Jahre lang so gelebt haben, dass weitaus die meisten in sämtlichen Umfeldern nicht mal was davon mitbekommen haben. Was das ausgedeutscht heisst, hab‘ ich in einigen Beiträgen zwar (etwas) beschrieben, aber es ist niemals alles. Das geht gar nicht. Das geht nie.

Zum unendlichen Glück kann ich heute sagen: Meine Erkrankung hat meine Kinder nicht beeinflusst. Der Satz, der so einfach daherkommt, umfasst alles von mir, alles in mir. Mein Herz, meine Seele, meinen Kopf, mein alles. Und ich kann ihn nicht nur heute, ich kann ihn für immer sagen. 💛 💙
Denn meine Kinder sind 12 3/4 und 14 1/4 – da ist alles, was punkto Erziehung wichtig ist, gelaufen. Ich kann meine Erkrankung jetzt in Ruhe thematisieren. So, wie es nach 12 schwierig – aber nicht unmöglich, wenn man sich ehrlich und engagiert dahintermacht – ist, noch etwas zu „retten“, so kann man nach 12 auch nicht mehr viel „verkacken“. Darum finde ich den Zeitpunkt, ihnen mehr davon zu erzählen und aufzuzeigen, ideal. Aber geplant war er nicht; der Auslöser dafür kam unerwartet. Jetzt bin ich „froh“ darum.

Wie heisst es doch: Unter grösstem Druck entstehen die schönsten Diamanten. 💎 💎 💎

 

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