Das Paradoxon (2)

Im letzten Beitrag hab’ ich ja die Merkmale derjenigen, die immer mal wieder die Schuld zugeschoben bekommen für Dinge, die mit ihnen (sehr) wenig zu tun haben, beschrieben. Wer sich dafür interessiert, kann sie gerne nachlesen; ich verzichte hier auf eine Wiederholung. Nur vielleicht das: Es gibt psychologisch – also echt psychologisch, nicht hobby-, küchen- oder (oft noch schlimmer und reisserischer) internetpsychologisch – klar definierte Merkmale für starke Menschen. Und es ist kein Geheimnis, dass starke Frauen viel öfter unter Beschuss geraten als eben weniger starke, vielleicht sogar (eher) schwache Frauen. Darum schreib‘ ich diese Texte für die starken Frauen.

(Für die echt starken, meine ich. Und da gehören für mich diejenigen, die sich von ihren Männern oder Ex-Männern (und / oder auf sonstige Weise) finanzieren lassen, ganz sicher nicht dazu. (Nur so – auch das muss einmal gesagt sein.))

„Unter Beschuss geraten“ ist die richtige Formulierung: Man kann nämlich auch die Merkmale derjenigen, die schnell und gerne ungerechtfertigte Schuldzuweisungen machen, anstatt die eigenen (meist grossen bzw. komplexen) Probleme anzugehen, beschreiben: Zum Beispiel schiessen sie dann immer wieder und degradieren das Gegenüber, weil es offenbar zu stark ist.
Von zehn Schüssen hat einer Hand und Fuss; die restlichen neun Schüsse bzw. eben Aussagen sind nicht nur unter der Gürtellinie, sondern geradezu unterirdisch. Und „unterirdisch“ heisst auch: unverhältnismässig, respektlos, unfair, fies, lächerlich, kindisch, fadenscheinig und an den Haaren herbeigezogen.

Was man aber, wie ebenfalls im letzten Beitrag schon angedeutet, tun kann: Man kann eine schutzsichere Weste anziehen, sodass die Schüsse einem nichts anhaben können.
Das möchte ich anderen auch gerne ans Herz legen: Wenn ihr beschossen werdet, nicht, weil ihr etwas Böses oder Falsches getan hättet, sondern weil es anderen nicht passt, dass ihr die Dinge beim Namen nennt – und ich weiss, allein schon in Bezug auf meinen Blog, sehr, sehr gut, wovon ich spreche bzw. schreibe… – zieht euch innerlich-mental eine schutzsichere Weste an und lasst euch nicht (mehr) beschiessen. Lasst die Kugeln dort, wo sie hingehören: bei den Schiessenden.

Was ich, wie erwähnt, auch wieder ein bisschen mehr möchte: (m)eine Stimme erheben für Betroffene von chronischen organischen Erkrankungen. Ich finde (und erlebe), dass Betroffene von psychischen Erkrankungen in den vergangenen 20, 25 Jahren ziemlich laut und ziemlich artifiziell (siehe beispielsweise vorangehende Beiträge) geworden sind. Und ich erlebe immer mal wieder, dass sie an Hilfestellungen herankommen, wovon Betroffene von organischen Erkrankungen nicht mal träumen können.
Das macht mir persönlich nicht viel aus und ich missgönn‘ es schon gar niemandem – wirklich nicht. Ich bin unendlich froh und unendlich dankbar, dass ich andere, innere und sehr wertvolle Ressourcen habe. Aber ich möchte es „einfach mal“ gesagt bzw. geschrieben haben. Denn so ein bisschen (bzw. eben mehr als ein bisschen) haben wir schon die Arsch-Karte gezogen.

Dazu passt vielleicht auch noch die Weiterführung des im letzten Beitrag aufgeführten Paradoxons:
Sollen wir uns, damit wir gefälligst gesund sind und ihr die Bühne für euch habt, das genetische Material, das für die Prädisposition (Veranlagung) für Autoimmunerkrankungen verantwortlich ist, herausschneiden? Aus jeder einzelnen der – ich weiss nicht… – 50 bis 100 Billionen Zellen?
Oder sollen wir den Trigger, der die Erkrankung ein erstes Mal auslöste, d. h. zum Beispiel eine Schwangerschaft, rückgängig machen?
Ja oder nein?
Nein oder ja?
Oder wollt ihr euch vielleicht mal ganz kurz überlegen, wie unendlich absurd das alles ist und wie euer Verhalten auf uns wirkt bzw. was es über euch offenbart?

Und nein, nicht grad wieder „Vergleich“ und  „Zweiteilung“ schreien – das wäre äusserst undifferenziert, auch wenn diejenigen, die das immer grad sofort tun, sich in ihrer Möchtegern-Differenziertheit geradezu gefallen und nicht mal merken, dass sie gerade darin sehr undifferenziert sind. Es gibt nämlich Unterschiede – grosse sogar. Und damit gerechtfertigte Vergleiche.
Sie zu leugnen, ist unreflektiert und sehr unehrlich.
(Ein Thema, das ich früher im Blog auch mehr hervorhob…)

Wenn ich zum Beispiel meine derzeitigen Laborbefunde anschaue, sind die alles andere als berauschend. Was ich natürlich gespürt hatte (siehe letzter Beitrag); trotzdem ist es so Schwarz auf Weiss dann nochmals etwas anderes.
Erythrozyten (rote Blutkörperchen) hab‘ ich zu wenige, dafür ist das Volumen der einzelnen (Erythrozyten) zu gross. Das bedeutet eine Form von Anämie, die damit zu tun hat, dass der Körper aufgrund der Erkrankung gewisse Nährstoffe nur schlecht aufnehmen und verwerten kann. Ausserdem ist ein Enzymwert zu tief und ist – vor allem – einer der Entzündungswerte massiv zu hoch.
Vor zwei Jahren war er nicht mal mehr messbar gewesen; diesmal immerhin noch messbar, wenn auch eben massiv erhöht.

Mit dem Kortison läuft es bis jetzt recht gut; ich vertrage es besser als früher und hab‘ den Eindruck, dass es zu wirken beginnt: Die Schmerzen in den Knien und den Ellbogen, die Bauchschmerzen und -krämpfe sowie die Augenentzündung sind zurückgegangen.
Zudem kann ich wieder mehr essen, worüber ich besonders froh bin.
Denn es war langsam heikel geworden: Die Fotos, die Taieb am Heiligabend von mir machte, löschte ich sofort wieder – zu gut sah man, dass ich zu dünn war. Auch bin ich mehrfach darauf angesprochen worden, dass ich sehr schmal sei und dass die Knochen vor allem am Oberkörper zu sehen seien. Was mich zusehends belastet hat…
So oder so bin ich erleichtert, wenn ich darauf angesprochen werde; zumal es Menschen gewesen sind, die um meine Erkrankung wissen, respektvoll und einfühlsam damit umgehen und alles andere als falsche Vorwürfe machen. Ich bin ihnen dankbar – es erleichtert, wenn gesagt wird, was offensichtlich ist.
Und jetzt wird es bald wieder besser, da ich, wie gesagt, wieder mehr essen kann. Die Freude am Kochen ist ebenfalls am Zurückkommen.
Ich versuche auch, möglichst fetthaltige Speisen zu essen, und habe unsere thailändischen und indischen Speisen, die wir über die Festtage liefern liessen, sehr genossen.

Bewegung geht auch wieder besser und macht wieder einigermassen Spass.
Trotzdem muss ich weiterhin aufpassen, da mir der Krankheitsschub schon recht heftig eingefahren ist und mich auf mehreren Ebenen (etwas) durcheinandergebracht hat – insbesondere, da ich ja unter Immunsuppression bin und es ja eigentlich gar nicht hätte passieren sollen…
Sobald ich weiss, wie wir jetzt – nach dieser Ernüchterung – weiterfahren, schreib‘ ich das im Blog auf.

Was ich im letzten Beitrag nicht erwähnt habe und was mir am meisten Angst gemacht hat: Ich habe auch wirklich heftige Herzrhythmusstörungen gehabt. Das heisst, ich kenne das schon lange – und sie sind mehrfach abgeklärt worden. Es hiess dann jeweils, sie seien zwar gut sichtbar, aber (einigermassen) harmlos. Das glaubte ich auch.
Ich gehöre ja eben nicht zu denjenigen, die jede Bagatelle aggravieren und zu einem Riesentheater, einem Riesengeschiss, einem (quantitativen und qualitativen) Drama – weil Drama halt eh so ein sich ständig wiederholendes, von Generation zu Generation weitergegebenes und hochgradig manipulatives Muster ist – aufbauschen, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu heischen.
Im Gegenteil, im absoluten und puren Gegenteil.
Darum, logisch, glaubte ich es und machte mir kaum noch Gedanken darüber. Geschweige denn hab‘ ich es je vor anderen erwähnt.

Aber dieses Mal ists halt wirklich heftig gewesen, sodass ich manchmal Angst bekam, mein Herz würde stehen bleiben. Ich spürte die Rhythmusstörungen und überhaupt den Herzschlag so gut, dass es manchmal war, als würde das Herz aus meinem Körper austreten. Als könnte ich es dann sehen und in die Hände nehmen. Als könnte es jeden Moment aufhören zu schlagen.
Das hat mich auch traurig gemacht – auf eine Art traurig, die ich jetzt grad auch nicht beschreiben kann.

Ausserdem hatte ich einen körperlichen Zusammenbruch.
Auch das ist nichts Neues für mich. Trotzdem ist es krass, wenn der Körper nicht mehr mitmacht, während ich mental und psychisch vollkommen fit bin.
Für einen solch‘ körperlichen Zusammenbruch braucht es, ähnlich wie für einen Krankheitsschub an sich, schon auch noch gewisse Auslöser. Wenn zu viel zusammenkommt, kann es passieren. Manchmal mit Vorzeichen, manchmal – wie dieses Mal an einem Mittwochabend anfangs Dezember – plötzlich und überraschend: Ich hatte extrem heiss und lag nur noch auf dem Sofa. Auch war ich in einem Art „Zwischenzustand“, würd‘ ich sagen, der sich in beide Richtungen hätt‘ entwickeln können. Zum Glück entwickelte er sich in die bessere von beiden. Das hab‘ ich danach noch ein paarmal gedacht – und auch das ist mir eingefahren.

Ich könnte noch so einiges mehr schreiben. Aber ich höre jetzt auf und fahre nächstes Mal fort. Es geht auch um Selbstschutz.

Hier unten noch der Link zu einem Video vom 25. Dezember: völlig unvorbereitet, völlig spontan und völlig natürlich. Hat mich tiefer berührt und bedeutet mir mehr, als ich je werde in Worte fassen können.
Und übrigens: Weder ein Immunsuppressivum noch Kortison ist gut für die Stimme – im Gegenteil. Rotwein, das geb‘ ich zu, natürlich auch nicht. 😅

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