Und ein Film lief in mir ab.

Die Adjektive für die Schüsse, vor denen offene, ehrliche, grosszügige und authentische Menschen, die sehr viel geben können, sich immer mal wieder schützen müssen, wiederhole ich hier nicht. Wer möchte, kann sie im letzten Beitrag nachlesen.
Nur eines davon greife ich hier nochmals kurz auf: nämlich „kindisch“.
Sie sind vor allem aus dem Grund kindisch, weil sie Verhaltensweisen mit sich bringen oder hervorrufen, die im Kindes- oder Jugendalter (noch) völlig natürlich, normal und daher auch nachvollziehbar und verständlich sind. Wenn sie aber bei 40-, 50- oder 60-Jährigen auftreten, stimmt vieles nicht und werden viele Fragen aufgeworfen.

Auch gehen sie bisweilen einher mit weiteren (sehr) unreifen Verhaltensweisen.
Oft kommen sie in ihrem eben kindischen Trotz dann wie pure Rache hinüber – bzw. sind auch so „gedacht“. (Wobei man hier ja nicht wirklich von „denken“ reden kann…)
Das wirkt so grässlich anachronistisch und so grässlich unbeholfen, dass man nie so recht weiss, ob man darüber weinen oder lachen soll. Ich vermute, darüber zu lachen, ist letztlich der bessere und befreiendere Weg – es zeigt ja das eben Lachhafte in den Trotzreaktionen und den meist ungerechtfertigten oder völlig unverhältnismässigen Angriffen.

Was sie auch meist nicht können: zugeben, dass eben all‘ die Adjektive, die ich im letzten Beitrag aufzählte, auf ihre Schüsse zutreffen.
Zugeben, dass sie sich damit massiv vertun und viel zu weit gehen.
Zugeben, dass es um etwas (ganz) anderes geht und die Angriffe lediglich Vorwände und Ausreden sind.
An sich selbst wahrhaftig und nachhaltig arbeiten, damit das Schiessen nicht mehr nötig wäre oder sich zumindest reduzieren würde – vor allem qualitativ.
Dafür um Entschuldigung fragen, sich eine „Wiedergutmachung“ überlegen.
Das können sie meist nicht, was natürlich wiederum unreif ist.

Ein Merkmal der Schüsse ist, dass sie in der Regel mit grosser Verzögerung abgefeuert werden, das heisst mehrere Wochen, mehrere Monate, manchmal gar Jahre nach dem sogenannten Fehlverhalten. Das, wie erwähnt, sehr oft „nur“ darin besteht, dass eine (zu) ehrliche Person (zu) viel von sich preisgegeben hat und anderen (zu) sehr entgegengekommen ist. Oder dass sie die Dinge beim Namen genannt und auf den Punkt gebracht hat. Oder alles zusammen.

„Schuldzuweisungen mögen uns psychologisch entlasten“, hab‘ ich vor kurzem in einem Artikel von Boris Reitschuster gelesen. Darin geht es um die Schuld, die die Zeugen Coronas den Impfskeptischen und Impfkritischen zuweisen.
Die Aussage ist aber allgemein gemeint, da sie natürlich auf alle Lebensbereiche zutrifft: Schuldzuweisungen sind, wenn gewisse Merkmale zutreffen, der Versuch, sich selbst oder allenfalls eine andere Person zu entlasten, zu verteidigen und in Schutz zu nehmen.
Und sie dienen vor allem dazu, sich nicht mit sich selbst zu befassen bzw. vor einem Haufen tiefgehender und komplexer Probleme die Augen zu verschliessen, sie unter den Tisch zu wischen oder unter den Teppich zu kehren, den Kopf in den Sand zu stecken und Vogel-Strauss-Politik zu betreiben. Der dadurch erreichte „Friede“ ist eine einzige grosse Täuschung; er ist künstlich, „falsch“ und unehrlich. Darum ist die „Entlastung“ auch nur eine vermeintliche, oberflächliche und kurzfristige.

Die Schiessenden sehen sich schnell und gerne als Opfer, die (den Wahrheiten?) ausgeliefert seien oder sich (gegen die Wahrheiten?) wehren müssten; so rechtfertigen sie ihre Schüsse. Ihr Drama (siehe letzter Beitrag) ist höchst manipulativ und dreht sich nur um sie selbst, was sie aber nicht einmal merken, geschweige denn zugeben würden. Manchmal leben sie in einer Blase – alleine oder auch zu zweit in total künstlicher, ungesunder und unaufrichtiger Symbiose mit sich selbst oder mit einem anderen Menschen, die sie täglich aufs Neue „bestärkt“, vermeintlich bestärkt. Tatsächlich müsste man sagen: beschwächt. In allem, was lebendig, gradlinig, wahrhaftig und altruistisch ist, beschwächt und sie von dem, was das Leben sein könnte und sein sollte, immer mehr wegzieht oder schon so weit weggezogen hat, dass es eh nix mehr zu retten und zu hoffen gibt.

Schnell und gerne drehen sie „alles“ um, lenken vom eigentlichen Thema, um das es ihnen einzig und allein‘ geht, für das sie vor nix zurückschrecken und für das ihnen jedes Mittel recht ist, ab, bezeichnen andere als das, was sie selbst sind, werfen anderen das vor, was sie selbst tun, reden sich ihr eigenes Verhalten schön und und verkennen das Gegenüber total – manchmal absichtlich, manchmal unabsichtlich. (Aber korrekt ist das so oder so nie – Dummheit entschuldigt eben nicht alles.)
Inputs von aussen und ein lebendiger, ehrlicher (!) und weiterführender Austausch fehlen oder sind unwillkommen, da sie sie – Hiiilfeee (!!!) – mit dem konfrontieren könnten, womit sie um alles in der Welt nicht konfrontiert werden wollen.

– –

Ich hoffe, obige Abschnitte helfen Menschen, die immer mal wieder so behandelt werden, ein Stückchen weiter. Ich widme sie allen wahrhaftig starken Menschen.
Nächstes Mal werde ich ein bisschen erläutern, was nebst dem Offen-, Authentisch- und Starksein auch noch dazu führen kann, dass einem das eben immer mal wieder passiert. Es gibt schon noch weitere Gründe; wenn sie zusammenfallen, kanns verreckt werden. 😉
Mir passiert es, seit ich anfangs 30 bin, ab und zu. Das heisst, vielleicht passierte es vorher schon, aber ich war zu jung um zu durchschauen, was abging, oder zu unbeschwert, um mich länger damit aufzuhalten.
Jetzt durchschaue und analysiere ich es immer klarer, was mir natürlich hilft, Anwürfe und Vorwürfe dort zu lassen, wo sie hingehören: bei denjenigen, die sie aussprechen (müssen), weil sie Wahrheiten nicht hören und sich schon gar nicht damit auseinandersetzen wollen. Das ist per se schon nicht in Ordnung. Darum brauchen und suchen sie dann eine(n) Schuldige(n). Dazu gäbe es noch viel zu schreiben, aber ich lass‘ jetzt mal drei treffende Zitate sprechen:

„Ehrlichkeit hat eine Macht, mit der viele Leute nicht umgehen können.“

„Du kannst keine Loyalität erwarten von Leuten, die nicht mal ehrlich zu sich selbst sein können.“

„Ehrliche und loyale Menschen bekommen nie das, was sie verdienen. Aber sie können sich im Spiegel ansehen und müssen sich nicht vor sich selbst schämen.“

💚 🧡 💚

– –

Meine Augenentzündung sieht man immer noch – nach zweieinhalb Wochen. Ich kann gar nicht aufzählen, wie viele Male ich darauf angesprochen worden bin, gestern auch wieder bzw. immer noch. Ich habe einige Reaktionen darauf und Fragen dazu auf Facebook gepostet, weil es für mich so „krass“ ist, dass – für einmal – etwas zu sehen ist, und weil ich es festhalten wollte. Unglaublich, wie viel das ausmacht, unglaublich für mich und alle anderen Betroffenen von zumeist unsichtbaren organischen Erkrankungen.

Bittersüss – sehr, sehr bittersüss.

Am Montagnachmittag war ich notfallmässig bei einer Augenärztin, nachdem mir eine Ärztin gesagt hatte, ich solle unbedingt und dringend eine aufsuchen. Sie war erstaunt, dass ich das noch nicht getan hatte. Aber ja – das bin ich: anti-Drama. (Haben schon viele, darunter auch Ärzte und Ärztinnen, so gesehen; das tut jeweils gut. Auch die Anerkennung, dass grosse psychische Stärke dahintersteckt, freut mich jeweils.)

Meine Sehkraft in die Weite beträgt zur Zeit 30% bis 40% – mit Kontaktlinsen notabene. (Und dann noch in dem Beruf – eigentlich unglaublich.) Es wird zwar sicher wieder besser, aber auf 100% (oder auch nur in die nahe Nähe davon) wird sie nicht mehr kommen. „Das ist eine permanente massive Überanstrengung der Augen, des Gehirns und für Sie ganz allgemein“, sagte die Augenärztin zu mir. Und ein Film lief in mir ab, ein Film mit Episoden aus den vergangenen zwei Monaten.

Wenn der Blutklumpen sich vollständig zurückgebildet hat, muss ich zu einer Kontrolle, damit wir herausfinden können, warum so viele Äderchen geplatzt sind und warum so viel Blut ins Auge ausgelaufen ist. Zuvor sollte ich eine Woche keine Kontaktlinsen tragen.
(Hier unten noch ein paar Fotos von meinem linken Auge; in der Realität hat es jedoch viel schlimmer ausgesehen und hat sich dann auch noch mehr ausgebreitet: bis über die untere Hälfte des Auges. (Zur Aufheiterung zeig‘ ich aber auch noch ein paar andere Fotos. 😀))

Die Kortisonbehandlung ist leider gescheitert, das heisst teilweise gescheitert, vorläufig gescheitert: Die 40mg als Einstieg hatten nicht ausgereicht, die inneren Entzündungen so weit zurückzudrängen, dass sie dann abheilen könnten. (Immerhin sind die Gelenkschmerzen zurückgegangen, worüber ich doch schon mal „froh“ bin.)
Abgesehen davon hat 40mg – 30mg – 20mg – 15mg – 10mg (- 5mg – 2,5mg) nicht zu den erhofften Besserungen geführt. Also musste ich, als ich bei 10mg war und dies klar wurde, zurück auf Feld -2: Beginn mit 60mg; da bin ich jetzt noch. Nach einer Woche mit dieser Dosierung folgt eine mit 50mg, dann eine mit 40mg usw. usf. Ich hoffe, das wirkt dann endlich.

Die Nebenwirkungen sind nämlich alles andere als einfach oder lustig. Am meisten macht mir zu schaffen, dass ich am Morgen zwei bis drei Stunden früher als geplant erwache und dann nicht mehr einschlafen kann. Kortison putscht auf – das hab‘ ich in den Anfangszeiten meines Blogs zu erklären versucht. Und der permanente Schlafmangel schlägt nicht nur auf das körperliche, sondern auch auf das mentale und seelische Wohlbefinden. Es ist grad heftig und ich hab’ auch Angst, dass es, wenn ich nicht bald eine Nacht oder zwei Nächte ausreichend schlafen kann, irgendwann gar nicht mehr geht. Dafür, muss ich sagen, bin ich erstaunlich gelassen, humorvoll, zuversichtlich und aktiv.

Essen kann ich wieder normal, worüber ich ebenfalls „froh“ bin. Das Gewicht, das ich im Dezember verloren hatte, hab‘ ich zum Glück wieder zugelegt. Ich hoffe, es bleibt so. Das heisst, ich hoffe, es ist nicht einfach ein Nebeneffekt des Kortisons. Aber auch diesbezüglich bin ich zuversichtlich.

Am Freitagabend war ich fünfeinhalb Stunden mit Karina im Ristorante „Venezia“ in Bülach; das war ein sehr, sehr schöner Abend, für den wir uns gegenseitig bedankt haben.
Am Samstagnachmittag war ich mit Rahel, Yannik und Taieb im coolen Minigolf und Laser Fun am Deutweg sowie im irischen Pub Molly Malone; das war lustig, obschon ich sehr müde war.
Am Abend war ich Fondue essen; auch das war ein sehr, sehr schöner Abend, für den ich so dankbar bin, dass ich es nicht in Worten ausdrücken kann.
Heute (Sonntag) war ich an einem Hallen-Fussballturnier in Bülach, bei dem Taieb mitspielte. Er versenkte einen Penalty und kam mit seiner Mannschaft in den Final. Der Sieg ging dann aber an Oberwinterthur. Na ja, so eine gewisse rein körperliche Überlegenheit war schon auszumachen gewesen. Aber was solls, es war ein Spiel und hat Spass gemacht! 😀

Ich wünsche einen guten Start in die neue Woche. 🍀

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