Zum World Lupus Day

So, wie ich den vorgestrigen Beitrag beendete, könnte ich den heutigen beginnen. Nämlich so: Eines der schönsten Komplimente grad vor kurzem sowohl seitens Schule wie auch seitens Anwohnender unseres Stadtteils war: „Ah, die beiden, die sind bekannt für das Reden, das Lachen & die sozialen Kontakte immer & überall.“

Ich könnte so beginnen, weil mir heute Mittag der Sportlehrer beider Kids grad nochmals ein ähnliches Kompliment gemacht hat. Womit diese Aussagen sich immer mehr häufen, was für mich eben noch mehr bedeutet als für eine gesunde Mutter. (Das schrieb ich im vorgestrigen Beitrag auch schon.)
Die Krankheit ist also der erste Grund, warum mich das besonders berührt & besonders freut. Der zweite Grund ist die Tatsache, dass Mütter, insbesondere berufstätige Mütter, immer & überall beobachtet & kritisiert werden. Sie können es eigentlich nie richtig machen, ganz egal, was es ist.

So richtig absurd wird es, wenn aktive, engagierte & involvierte Mütter von Leuten kritisiert werden, die selbst so ziemlich alles, was man falsch machen kann, falsch gemacht haben. Sprich: ihr Kind verwöhnt, verhätschelt & verbäbelt haben, ihre Prinzessin / ihren Prinzen immer nur gewähren lassen, ihr / ihm nie deutsch & deutlich eine unpopuläre Meinung sagen, sie / ihn nie klipp & klar zurechtweisen, nichts von ihr / ihm einfordern, völlig inkonsequent sind & sie / ihn zum Nabel der Welt erklärt haben: Alles dreht sich um sie / ihn, alles richtet sich nach ihren / seinen Bedürfnissen, sie / er steht über allem, vor allem & hinter allem.
Eben: falsch, so ‘was von falsch.

Oder von Leuten, die überhaupt nicht mit der Zeit mitgegangen sind, von den heutigen Lebenswelten & Anforderungen wenig bis keine Ahnung haben, in pubertierenden Teenagern noch die süssen & lieben Kinderchen sehen & irgendwie auch ganz allgemein zu dumm sind um auch nur halbwegs zu erkennen, was eine Mutter heutzutage alles leisten muss. Und dann noch eine berufstätige Mutter… Oder eine chronisch kranke Mutter… Oder eine chronisch kranke UND berufstätige Mutter.
(!!)

Ja…, nur so.

Oder nein, nicht nur so.

Klar, bin ich persönlich betroffen: Ich bin nämlich berufstätig. Und zwar nicht so hübsche 20 oder 30 Prozentchen, sondern viel mehr. Und zwar in dem Beruf, in dem gemäss kompetenter Quellen am meisten Burnouts & Erschöpfungen diagnostiziert werden. (Kein Wunder übrigens, aber lassen wir das bzw. verschiebe ich das Thema auf ein anderes Mal.)
Klar, bin ich persönlich betroffen: Ich habe nämlich seit über 13 Jahren eine (schwere) chronische organische Erkrankung.

Und klar, hab‘ ich beide oben beschriebenen Sorten von Kritik eingesteckt. Nicht oft zwar – nein. Aber es je einmal erlebt zu haben, ist je einmal zu viel. Es ist so unangebracht, dass es eine Million Worte bräuchte & eigentlich gar keine Worte dafür gibt.
Auch darum sind die zahlreichen Komplimente, die ich von Menschen, die erstens wissen, was wichtig ist & worum es geht, und die zweitens nicht neidisch sein müssen, immer wieder bekomme, besonders schön & besonders wertvoll.

Warum ich heute einen Beitrag schreiben wollte?
Weil heute der 10. Mai ist, World Lupus Day.
Dazu könnte ich Bücher füllen.
Bzw. habe ich ja den Blog…

Gestern veröffentlichte ich einen Beitrag vom Dezember 2016 neu: „Von Prozessen & Entfernungen“. Ich hatte ihn kurz nach dem Unfall auf der Treppe in unserem damaligen Haus geschrieben. Als ich ihn gestern las, wurde mir wieder einmal bewusst, wie viele Herausforderungen ich in den vergangenen 13 Jahren gemeistert habe. Denn dieser Unfall war ja nur eine von wirklich vielen.

Die Krankheit hat mir das ganze Spektrum an Erfahrungen eröffnet: von wunderschönen, unmittelbaren & wahrhaftigen Begegnungen über Einsichten in den Sinn des Lebens bis zum Unfassbarsten & Unglaublichsten, was mir diesbezüglich je widerfahren ist: nämlich dass meine Krankheit sich gefälligst zu verändern hätte & ich mich (gefälligst) anzupassen hätte, damit eine Dauersimulantin ihre vorgetäuschten oder ganz massiv übertriebenen „Krankheiten“ oder „Verletzungen“ ungestört weiterpflegen kann: Also nicht sie hätte ihr (völlig gestörtes) Verhalten anpassen & ändern müssen, sondern ich hätte meine Krankheit ändern sollen. Und dies, obschon ich mir kaum je etwas anmerken lasse, wie schon wirklich viele Menschen in meinem Umfeld erkannt & anerkannt haben.

Aber es gibt Leute, die alles von sich weisen & vor allem, was unangenehm & bei ihnen schiefgelaufen ist, Augen & Ohren verschliessen. Darum beginnen nicht sie die lange & intensive Psychotherapie, die sie dringend & unbedingt nötig hätten, sondern erwarten & verlangen von denjenigen, die ihr Verhalten nicht aushalten, dass sie sich gefälligst zurücknehmen. Bei einer Krankheit, die im letzten Jahrhundert noch tödlich verlief.

Man muss sich das einmal vorstellen…

Das ist so unendlich verletzend, dass ich es nicht ausdrücken kann.
Das ist so unendlich verletzend, dass sogar mir die Worte fehlen.
Fehlen, fehlen… – für immer fehlen.

Man muss sich das einmal vorstellen…

So viel zum World Lupus Day.

 

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