Und die Schönheit

„Uuuiii, dann hast du das alles ja rund um die Uhr – 24/7.“, sagte Andrina, die auch Lehrerin ist, heute zu mir, nachdem ich ihr die Frage nach dem Alter meiner (eigenen) Kinder beantwortet hatte.
Das war wieder einmal so ein Moment, in dem ich fast nichts sagen musste & mich trotzdem verstanden fühlte. „13 & 14“ bzw. „1. Sek. & 2. Sek.“ genügten & sie wusste alles.
Sie weiss, wie es ist, wenn man „das alles“ eben nicht nur im Beruf, sondern auch zu Hause, nicht nur zu Hause, sondern auch im Beruf hat. Und „das alles“ ist eben sehr, sehr viel – quantitativ & vor allem qualitativ.

Auch dazu könnte ich ein Buch schreiben… Oder Dutzende von Blogbeiträgen… Aber da ich die Zeit dazu grad nicht habe bzw. die Zeit lieber für anderes nutze & mit anderem verbringe, lass‘ ich es bleiben – für den Moment jedenfalls. Vielleicht hab‘ ich später mal Lust, „das alles“ zu beschreiben & auszuführen.

Als meine (eigenen) Kinder noch jünger waren, war die Welt zu Hause (noch) eine andere als diejenige an der Schule. Und die Welt an der Schule (noch) eine andere als diejenige zu Hause. Seit sie aber Teenager geworden sind, ist es eben tatsächlich rund um die Uhr, 24/7, das „Gleiche“. Das, was ich eigentlich so liebe. Das, was aber, wenn man keine Pause & keine Erholung davon (mehr) hat, natürlich auch so richtig verrückt werden kann. Wenn man Kids hat, die pubertieren, das heisst sich gesund entwickeln, versteht sich.

Es gibt ja auch solche, die keine Pubertät durchmachen & (vielleicht sogar noch) Eltern haben, deren einziger Erziehungsbeitrag, der eben nicht mal einer ist, darin besteht zu verwöhnen & gewähren zu lassen. Wo so gut wie alles, was diese für die Entwicklung & die Ablösung so, so wichtige Phase ausmacht, fehlt. Klaffend fehlt, furchtbar fehlt.

Denn meistens zeigt das auf, dass zuvor sehr vieles sehr schiefgelaufen ist & sehr vieles nicht stimmt. Und dann läuft es mit dem Ausbleiben der Pubertät & mit der demzufolge ausbleibenden Identitätsentwicklung, Identitätsfindung & (gesunden, wahrhaftigen & verinnerlichten) Ablösung von den Eltern (die bei sich gesund entwickelnden Kindern immer vom Kind ausgeht) grad nochmals schief. Was irgendwann einen Riesenhaufen an Problemen darstellt, der durch ewiges Verdrängen immer noch grösser & auf die nachfolgenden Generationen übertragen wird: ein Teufelskreis.

Und grad nochmals ein Thema, das ein Buch füllen würde…

Darum bin ich (trotz allem) so, so froh, dass meine Kids eben „das alles“, was Andrina meinte, machen, sind, haben… – wie auch immer.

Grad vorhin hab‘ ich schon wieder ein Kompliment für die beiden bekommen. Sie hätten beide sehr gute, starke & offene Charaktere. Das sehe & erlebe ich auch so. Und das ist auch das Wichtigste: Aufrichtigkeit, Loyalität & Mitgefühl.

Und das andere, womit immer mal wieder Menschen auf mich zukommen & mir sagen, sie hätten gleich gedacht, dass sie meine Kinder seien bzw. dass ich ihre Mutter sei, ist das Äussere. „Wegen der Schönheit“, sagte vor kurzem ein Lehrer zu mir & lachte. Ich lachte auch.

Ich habe das schon öfters gehört…
Es mit 49 immer noch zu hören, ist erfrischend & berührend.
(Ich dachte nämlich früher, das würde mit Mitte 30 aufhören… 😅)
Und ich traue mich mittlerweile auch, das zu sagen & zu schreiben, nachdem ich mich früher damit sehr zurücknahm. (Fast schon so sehr wie mit der Krankheit…!)
Das mach‘ ich nicht mehr.
Es ist etwas Schönes & darf gesagt oder geschrieben werden.

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