Transit: Grüsse aus Doha

„Haaallooo Frau [mein Nachname]!“, ertönte es aus einem Schulzimmer. Ich war mit meiner zukünftigen Klasse auf einem Rundgang durchs Schulhaus & hatte ganz & gar nicht damit gerechnet, dass von irgendwoher jemand mich grüssen würde. „Aha, Sie sind bekannt“, sagte denn auch schon einer meiner zukünftigen Schüler zu mir. „Das ist komisch; Sie haben doch gesagt, Sie seien auch neu hier.“ „Ja genau, das hab‘ ich mir auch grad gedacht…“, antwortete ich.

Später beim Mittagessen sagte eine Lehrerin zu mir, sie habe grad gehört, wie Schüler sagten, ihre neue Lehrerin sei „voll geil“. „Die meinten dich“, fügte sie an. Wir mussten beide lachen.

Hmm ja, das ist fast jedes Mal so: Die offene, ehrliche, lockere & authentische Art kommt bei den meisten sehr gut an. So, dass ich mich bisweilen (fast) unter Druck gesetzt fühle, dem auch wirklich standhalten & die Erwartungen erfüllen zu können. Doch meistens gelingt es mir. Und ich schreibe bewusst „meistens“. Denn es ist eben „meistens“ – und nicht nur „manchmal“, aber auch nicht „immer“.

Nein, immer gelingt es mir nicht. Es gibt Kinder, Jugendliche & Erwachsene, die mit meiner Offenheit, Toleranz & Grosszügigkeit überfordert sind. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass sie immer noch weiter gehen, immer noch mehr erwarten & verlangen & keine Grenzen kennen. Die einen nutzen das bewusst & absichtlich aus, andere eher unbewusst & unabsichtlich.

Und wenn ich dann mal auf den Tisch haue & sage, dass es mir reicht, sind manche überrascht & überrumpelt. Vielleicht kommt es jeweils, weil meine Grenzen eben tatsächlich (sehr) weit aussen liegen, dann (etwas) brüsk & hart rüber – das mag sein. Aber diejenigen, die dann konsterniert reagieren, sollten sich mal überlegen, wie viel enger die Grenzen bei vielen anderen gezogen sind & wie offen, grosszügig & flexibel ich die ganze Zeit gewesen bin.

Anyway, darüber könnte ich ebenfalls noch (viel) mehr erzählen, möchte das hier & jetzt aber nicht. Es war jedenfalls ein lustiger Morgen. Bevor ich direkt von der Schule zu Fabian & Michael ins Studio fuhr, ging ich noch bei Martín, dem IT-Verantwortlichen vorbei, um mein Notebook & mein iPad abzuholen. Seine ruhige & ehrliche Art gefiel mir & ich bin froh, dass wir die beiden Geräte zusammen einrichten konnten. „Mega schöne Farben“, sagte ich, als ich das Hintergrundbild sah. „Ja gell, das passt zu deinem Look“, erwiderte er. Und ja genau, es sind Violett- & Pink-Farbtöne. 😄

Jetzt ist bereits Montag.
Den bisherigen Text schrieb ich gestern, also am Sonntag. Dann hörte ich auf, weil wir noch so richtig im Endspurt der Ferienvorbereitungen waren. Im Testcenter unserer Wohnstadt hatten sie am Nachmittag Antigen-Schnelltests gemacht, obschon ich die beiden Kids explizit für PCR-Tests angemeldet hatte. 🙈

Also mussten sie am Abend kurzfristig in eines der Testcenter am Flughafen fahren. Ich gab T. meine Kreditkarte mit, um die Test bezahlen zu können. Zuuufääälligerweeeiiise sah er dann im „Ochsner Sport“ eine mega coole Jacke, eine noch coolere Trainerhose, die coolsten Airforce-Schuhe sowie eine Cap & schrieb mir, dass er ja bald Geburtstag habe. (Was ich sonst natürlich glatt vergessen hätte… – klar.)

Wie auch immer: Ich willigte in den Kauf ein – gerne sogar. Denn er kauft sich (sehr) selten Kleider & wir lachen öfters über seine immer gleichen T-Shirts & immer gleichen Pullover. Als sie wieder zu Hause waren, zog er die neuen Kleider an & führte sie uns vor. Es sieht echt cool aus.

Und er fühlt sich darin offenbar auch so ccol, dass er sich inspiriert fühlt(e), einen eigenen Rap-Song zu schreiben. Dafür hat er einen Block, einen Bleistift & einen Radiergummi in Äffchenform eingepackt. Ich bin natürlich begeistert; ich versuche schon seit längerem, ihn dazu zu bringen, sein wirklich grosses Talent im Imitieren & in Comedy allgemein irgendwie kreativ zu nutzen. Auch Rap finde ich natürlich super.

A propos Song: Am Mittwochnachmittag schnitten Fabian & ich noch ein zweites Video zu „Sloop John B.“ zusammen. Das heisst aus dem gleichen Filmmaterial, aber alle Abschnitte (zwischen den Schnitten) von einer anderen Aufnahme. Das war kreativ, inspirierend & wie immer lehrreich. Ich freue mich schon auf das nächste Projekt, wie im vorletzten Beitrag erwähnt „Fernando“ von ABBA. Das wird ein richtiges „Show-off“, sagte Sandra zum Abschluss des vielen Lobs in der letzten Gesangsstunde (siehe vorletzter Beitrag).

Wer mich persönlich kennt, kann auf meinen (neuen) YouTube-Kanal gehen & die zweite Version von „Sloop John B.“ anschauen. Wie schon erwähnt, habe ich 10‘000 Aufrufe verloren, weil die 14 Videos auf dem (alten) Kanal „verschwanden“ bzw. gelöscht wurden. Und wie ebenfalls schon erwähnt, kostet es nichts, den neuen Kanal zu abonnieren & ihm ein paar Aufrufe zu verschaffen. Es fällt dabei auch niemandem ein Stein aus der Krone. Nur so.

Wie im letzten Beitrag geschrieben, mache ich vieles im letzten Moment. Und mir ist das Überbeflissene, Übervorbereitete, Überstrukturierte & Überformalisierte (oft) suspekt. Aber zu spät bin ich dennoch sehr selten. Also alles halb so wild.

Heute waren wir über dreieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen. Denn gestern Morgen muss es verrückt zu- & hergegangen sein. Und auch Sandra hatte mir erzählt, ihr Mann habe fünf Minuten vor Abflug das Flugzeug betreten. Das war sogar schon Ende Juni, also vor dem Beginn der Schulferien, gewesen.

Nun gut, heute Nachmittag ging es ruhig zu & her. Das Check-in & die Handgepäckkontrolle waren schnell gemacht, sodass wir danach jede Menge Zeit hatten, draussen (!) auf der Terrasse einer Bar Pommes mit Ketchup & Mayonnaise zu essen, Hugo & Ice Tea zu trinken sowie die abfliegenden & ankommenden Flugzeuge zu beobachten. Das war gemütlich & entspannend.

Und jetzt ist bereits Dienstag. Wir sitzen in Doha (Hauptstadt von Katar) am Flughafen. Der Flug war super: extrem ruhig, freundlicher Service, gutes Essen & ein eindrücklicher Landeanflug mit Sicht über den Persischen Golf – glitzernde Lichtern so weit wir sehen konnten.

Der Stewart fing ein Gespräch mit mir an, indem er mich fragte, wohin wir fliegen würden. Unser Ziel begeisterte ihn; er war vor vielen Jahren mal dort gewesen. Später wollte er wissen, ob ich schon einmal in Thailand gewesen sei. Er ist aus Thailand. Ich verneinte & sagte, dass ich mir gut vorstellen könne, sein Land auch einmal zu besuchen.

Hier am Flughafen hätten wir gerne etwas Arabisches gegessen, haben aber nichts gefunden. Also entschieden wir uns für asiatisches Essen, was gut schmeckte. Vor allem die vegetarische Ramen-Suppe war sehr reichhaltig.

So, bald gehts auf den nächsten Flug: von Doha nach Sansibar. Um 02:50 Uhr fliegen wir weiter. 😅

Viele Grüsse vom Persischen Golf! ☀️

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